Flucht und Migration. Hoffnung und Sorge – Möglichkeiten und Gefahren


Obwohl ich in den letzten Jahren wiederholt Flüchtlingsfamilien aus Syrien in meiner Praxis kennengelernt habe und mir aus ihren Erzählungen die beinahe hoffnungslose Situation in Syrien und in den Flüchtlingslagern nicht unbekannt war, haben mich die enormen Flüchtlingsströme der letzten Wochen mehr als überrascht.
Dass eine grundsätzlich freundliche Begrüßung überwiegt und Ablehnung, Gewalt und geistige wie auch tätliche Brandstiftung nicht von der Mehrheit der Deutschen geteilt wird, finde ich sehr, sehr gut.

Unglücklich finde ich den Stand der Debatte über die Flüchtenden. Offensichtlich scheint es nur zwei Standpunkte zu geben. Die da zugespitzt lauten: Kommt alle zu uns, die da mühselig und beladen sind, und der andere: Hilfe, das Boot ist voll!

Dabei ist doch völlig klar, dass jemand seine Heimat nur dann verlässt und sich auf eine gefahrvolle Reise begibt, wenn er in wirklich bedrohlichen Umständen lebt und somit Hilfe braucht.
Und genauso dürfte klar sein, dass unsere Gesellschaft irgendwann durch eine zu hohe Zahl an Zuwanderung überlastet werden kann, uns der soziale Frieden um die Ohren fliegen könnte und wir dann eben nicht mehr so stark sind, um Hilfe zu leisten. Nur wissen wir natürlich heute nicht, wo der kritische Punkt ist und was noch alles gemeistert werden muss, um diese hohe Zahl an Flüchtenden gut bei uns aufzunehmen. Daher muss die Sorge, dass mehr kommen könnten als wir meistern können, ebenso gehört werden.

Deshalb wünsch ich mir eine differenziertere Debatte zu diesem Thema. Prima, dass unsere Stadtverwaltung relativ schnell auf die neuen Flüchtlingszahlen reagiert. Aber ist es wirklich praktisch, die ankommenden in so großen Wohneinheiten unterzubringen? Andererseits geht es vielleicht erstmal nur so. Leerstehende Wohnungen finden sich in großer Zahl auch eher in Wohngebieten, die sowieso mit sozialen Spannungen zu kämpfen haben. Hunderte von Migranten werden sicher nicht ins Paulusviertel, nach Dölau oder Kröllwitz ziehen. Wird also die gesellschaftliche Herausforderung auch fair verteilt? Wie schnell können wir die Neuankömmlinge in unseren Arbeitsmarkt integrieren? Wer konkurriert mit wem um welche Jobs? Kinder werden am besten in KiTas und Schulen integriert. Haben wir genug Plätze und Lehrer?

Und nicht zu unterschätzen, wie gehen wir mit dieser großen Anzahl von Menschen um, die aus einem anderen Kulturkreis kommen und für die manche unserer gesellschaftlichen Regeln wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Trennung von Staat und Kirche unbekannt sind. Das kann zu erheblichen Konflikten führen! Da gilt es noch manche Nuss zu knacken.

Deswegen sehe ich für diesen Flüchtlingsstrom hoffnungsvolle aber auch sorgenvolle Aussichten. Und das sollte unaufgeregt debattiert werden und nicht unsäglich populistisch wie es z.B. die CSU gerade betreibt, dann ist es auch zu schaffen!

Zu den Standorten der Zentralen Aufnahmestellen habe ich übrigens eine ziemliche klare Vorstellung. Die gehören immer in die großen Städte, die eine entsprechende Infrastruktur aufweisen und somit besser helfen können.